Sehr geehrte Damen und Herren,
in der letzten Folge unserer Reihe zu den Einsatzbereichen des AT2000 habe ich den unterschiedliche Lautsprecher-Anordnungen erläutert und den Vorteil des Surround-Moduls des Audiometers beschrieben.
Heute möchte ich das audiologische Jahr 2024 mit dem Thema "Sprachaudiometrie im Störschall bei SSD-Patienten" abschliessen.
Um einen Behandlungserfolg bei Implantat-Patienten zu evaluieren, wird der binaurale Gewinn an Verständlichkeit mit Implantat gemessen, und dieser ergibt sich aus der binauralen Summation, siehe vorheriger Newsletter. Dies gilt speziell bei AHL/SSD-Patienten. Es ist auch sinnvoll, die Sprachaudiometrie monaural mit CI durchzuführen, weil auch aus der Diskriminationsfunktion sich Informationen ergeben, die zur Optimierung der Einstellung der C- und T-Level genutzt werden können. So scheint es, dass die Einstellung der T-Level die Sprachverständlichkeitsschwelle in Ruhe und diejenige im Störschall sich wechselseitig beeinflussen und deshalb ausbalanciert werden müssen.
Bei der monauralen Messung der Sprachverständlichkeitsschwellen in Ruhe und im Störschall mit CI im Freifeld besteht im Fall einer asymmetrischen Hörstörung und insbesondere bei einer SSD jedoch die Gefahr des Überhörens. Deshalb muss vertäubt werden.
AURITEC bietet jetzt zwei Möglichkeiten, dieses Thema anzugehen: so wie Williges et al. gezeigt haben, ist die aktive Vertäubung mit einem zusätzlichen Geräusch der passiven Dämmung überlegen. Dies hat er mit unterschiedlichen Pegeln eines zweiten Audiometers durchgeführt. Mit dem AT2000 und dem AT-research ist dies jetzt mit einem einzigen Audiometer möglich, und der Nutzer kann sich sowohl den Wandler (LL, EinstH, FF), das Signal als auch den Pegel aussuchen. Aus dieser Freiburger Studie erscheint ersichtlich, dass beim OLSA im Störgeräusch ein Mithören des guten Ohres durch aktive Vertäubung mit Olnoise ab 60dB Vertäubungspegel ausreichend ausgeschlossen werden kann.
Neben dieser aktiven Vertäubung des Gegenohres gibt es einen noch direkteren Weg: Sie können die monaurale Sprachverständlichkeitsschwelle im Störschall mit Implantat durch eine direkte Funk- oder Kabelanbindung des Audiometers an den CI-Sprachprozessor messen. Die Herausforderung hierbei ist, dass für die verschiedenen Sprachprozessoren sichergestellt werden muss, dass sowohl Sprach-, als auch Störsignal mit dem korrekten Pegel präsentiert werden, was sehr ausführlicher Kalibrierungsmessungen bedarf. Diese hat AURITEC bisher für 2 Sprachprozessoren durchgeführt.
Sie können also mit dem AT2000 jetzt alle AHL/SSD-Patienten genauer messen, entweder mit der aktiven Vertäubung des Gegenohres oder direkt über den Prozessor.
Die wissenschaftlichen Artikel, die ich dazu gelesen habe, sind:
- Mewes A, Hey M. Einfluss der T-Level auf das Sprachverstehen in Ruhe und im Störschall bei erwachsenen CI-Patienten. Conf Pap Zwanzigste DGA-Jahrestagung, Aalen. 2017;
- Volpert S, Klenzner T, Jansen N, Blümel I, Schipper J. Sprachtest bei CI-Trägern ohne Hörkabine? Forsch heute – Zukunft morgen. 2018; doi:10.1055/s-0038-1640666.
- Williges B. Evaluation der binauralen und monauralen Sprachverständlichkeit sowie des Lateralisations- und Lokalisationsvermögens von einseitig ertaubten Patienten mit einem Cochlea Implantat. 2012;
- Dziemba OC, Oberhoffner T, Müller A. OLSA level control in monaural speech audiometry in background noise for the evaluation of the CI fitting result. HNO. 2023; doi:10.1007/s00106-022-01251-0.
Wir freuen uns über den Austausch mit Ihnen zu diesen Themen. Schreiben Sie mir gerne an mody(at)auritec.de.
Sicherlich werden wir uns auch bald auf einer der nächsten Tagungen im In- und Ausland treffen, wie etwa auf der 26. Jahrestagung der DGA in Aalen. Darauf freue ich mich sehr!
Mit freundlichen Grüßen
Ihr Jan Mody