Sehr geehrte Damen und Herren,
letzte Woche habe ich Ihnen Hintergrundinformationen zum AT2000 mit auf den Weg gegeben.
Heute stelle ich Ihnen in der Folge 2 unserer Ausführungen einige uns bekannte Herausforderungen und mögliche Lösungsansätze vor.
Das Vorgehen unserer Kunden zur Nachweisführung der im SGB V geforderten besseren Teilhabe am Leben im Sinne des Gleichziehens mit einem hörgesunden Menschen ist sehr heterogen. Der überwiegende Teil macht Untersuchungen des Sprachverstehens in Ruhe mit dem Freiburger Zahlen- und Worttest bei verschiedenen Pegeln, jeweils S0; und OLSA-Messungen im Störschall mit S0N0, jeweils mit dem bisherigen Prozessor und später mit dem neuen (vor der Erstimplantation ähnelt sich dieser Teil des Prozesses).
Bei der Untersuchung des Sprachverstehens in Ruhe mit den Freiburger Worten befinden sich zunehmend mehr Patienten bereits im Sättigungsbereich des Tests, d.h. mit einem neuen Sprachprozessor ist hier kein Gewinn an Sprachverstehen nachweisbar.
Und auch im klinisch etablierten Messsetup zur Untersuchung des Gewinns an Sprachverstehen im Störschall zeigen sich mit neuen Technologien in aktuellen Sprachprozessor-Modellen oftmals keine Verbesserungen (mehr). Dies kann damit erklärt werden, dass neue Signalvorverarbeitungen insbesondere darauf abzielen, das Sprachverstehen in störschallbehafteten Situationen des Alltags zu verbessern, die eher durch räumlich getrennte Signal- und Störschallquellen charakterisiert sind. Zu diesen Programmen zählen z.B. „Natural“, „ANR“ und „TNR“ von MED-EL oder „ForwardFocus“ von Cochlear.
Die Lösung dazu ist unserer Meinung nach die Messung des Sprachverstehens im Störschall mit mehreren Lautsprechern, damit der Gewinn durch neue Signalvorverarbeitung in störschallbehafteten Situationen des Alltags besser abgebildet werden kann. Die Anzahl der Störschallquellen und die Art des Störgeräusches sind zu diskutieren, hängen aber mit Sicherheit auch von der Art der Störschallunterdrückung des Prozessors ab.
Bedeutet das aber wenigstens zum Teil einen Paradigmenwechsel? Muss S0N0 ergänzt werden durch mehrere zu den Prozessoren und deren unterschiedlichen Signalvorverarbeitungsbestandteile passenden Messaufbauten? Wenn diese Frage mit „ja“ beantwortet wird, bedarf es einer Audiometrieanlage, die schnell und flexibel zwischen diesen Messaufbauten wechselt. Denn diese Frage verlässt ja damit die Wissenschaft und kommt in der klinischen Routine an. Es bedarf einer Audiometrieanlage mit mehr als 2 Kanälen, etablierten Testverfahren, die auf mehr als 2 Kanäle beruhen und Wandlern, die flexibel genutzt werden können in Bezug auf Art (LL, KL, EH, FF) und Richtung (FF).
Wir freuen uns über den Austausch mit Ihnen zu diesen Themen. Schreiben Sie mir gerne an mody(at)auritec.de.
In der Folge 3 widmen wir uns den Testverfahren.
Mit freundlichen Grüßen
Jan Mody - Geschäftsführender Gesellschafter