PROJEKT HÖRSTAT
Bei dem Projekt handelt es sich um ein Forschungsprojekt der Jade Hochschule Wilhelmshaven/Oldenburg von Frau Prof. Inga Holube (Professorin für Audiologie, Vorsitzende Institut H+A). Die Kooperationspartner sind:
Auritec GmbH, HörTech gGmbH, Hörgeräte Hahm, Hörgeräte Siefken, Isermann Hörgeräte-Akustik, Optiker Schulz, Kind Hörgeräte GmbH
Das globale Ziel des Projektes ist die Durchführung einer Ist-Analyse zur Abklärung der Häufigkeit von Hörstörungen in der Bevölkerung im Weser-Ems-Gebiet. Neben dem üblicherweise zum Einsatz kommenden Luftleitungs-Tonschwellen-Audiogramm soll ebenfalls die Knochenleitung erfasst werden, die eine Differentialdiagnostik zwischen Schallleitungs- und Schallempfindungsschwerhörigkeiten erlaubt. Aus den Ergebnissen im Tonaudiogramm kann jedoch nicht auf die Sprachverständlichkeit bei gleichzeitiger Anwesenheit von anderen Schallquellen und damit auf die Beeinträchtigung der Kommunikationsfähigkeit in alltäglichen Hörsituationen geschlossen werden. Deshalb soll außerdem die Sprachverständlichkeit im Störgeräusch ermittelt werden.
Besonderer Wert soll auf die Analyse der Alters- und der Geschlechterverteilung der Schwerhörigkeiten und der Versorgungsgrad mit Hörhilfen (Hörgeräte, Implantate, Verstärkungssysteme) gelegt werden.
Die Altersverteilung würde Rückschlüsse darauf erlauben, wie sich der Anteil der Hörstörungen im Zuge des demografischen Wandels der Bevölkerung entwickelt hat bzw. entwickeln wird und inwiefern die oftmals angenommene Schädigung durch Lärm, insbesondere Freizeitlärm und Musikeinwirkung bereits bei jüngeren Bevölkerungsgruppen nachweisbar ist und sich gegenüber früheren Untersuchungen verändert hat. Die Geschlechterverteilung würde Rückschlüsse auf die unterschiedliche Betroffenheit von Männern und Frauen ermöglichen und damit eine Analyse von genderspezifischen Bedürfnissen erlauben.
Insbesondere die regional tätigen Hörgeräteakustiker, die kleine und mittelständische Unternehmen führen und eine solche Untersuchung aus eigenen Mitteln nicht bestreiten könnten, würden von den Analysedaten profitieren.
Zum Gewinn für die Hörgeräteakustiker zählen verbesserte Marktkenntnisse und damit eine gezieltere Kundenansprache sowie ein größerer Kundenkreis durch eine Steigerung der Sensibilität für Hörstörungen im Untersuchungsgebiet.
Zu den möglichen Konsequenzen aus dem Projekt zählt die Prävention durch die konsequente Verringerung von Schalldruckpegeln bei Veranstaltungen und die Aufklärung von Personen, die sich dauerhaft über Kopfhörer hohen Schalldruckpegeln aussetzen. Dazu gehören aber auch Hilfsmaßnahmen für bereits hörbeeinträchtigte Menschen. Um sie nicht aus dem gesellschaftlichen und kulturellen Leben auszuschließen, können Hörhilfen in öffentlichen Einrichtungen zur Verbesserung der Kommunikation hilfreich sein.
Mit Hilfe der in diesem Projekt angestrebten belastbaren Datenbasis können potentiell folgende Ziele erreicht werden:
• Innovationspotential:
o Bestimmung des Hörvermögens anhand einer repräsentativen Stichprobe
der Bevölkerung.
o Erfassung der Kommunikationsstörung durch die Bestimmung der
Sprachverständlichkeit im Störgeräusch.
o Einordnung der Gewichtigkeit der Bedürfnisse verschiedener
Hörgeschädigtengruppen und Aufbau adäquater Versorgungsleistungen und bedarfsorientierte Lösungswege für sämtliche Altersstufen der Bevölkerung.
o Initiierung der Entwicklung von speziellen Produkten für
hörgeschädigte Menschen, um den Alltag für diese Bevölkerungsgruppe gerechter zu gestalten und eine gleichberechtigte und selbständige Teilnahme am gesellschaftlichen Leben zu ermöglichen und unterstützende Maßnahmen und Technologien für Betroffene unterschiedlicher Altersgruppen zu realisieren.
o Durch den unmittelbaren Kontakt zwischen Projektmitarbeitern und
Probanden wird die Lücke im Wissenstransfer zwischen Betroffenen und Forschungseinrichtungen geschlossen.
• Gender und Diversity:
o Analyse der Alters- und der Geschlechterverteilung von Schwerhörigkeit.
o Abschätzung der gesellschafts- und gesundheitspolitischen
Konsequenzen durch eine mögliche Änderung der Altersverteilung der Schwerhörigkeit.
o Aufzeigen der Belastungssituation älterer Menschen durch
Vereinsamung aufgrund von Hörproblemen.
• Nachhaltigkeit / Umwelt:
o Lieferung eines wichtigen Beitrags für die Gesunderhaltung der
Menschen.
o Ermöglichung von Planungen zur Prävention von Hörstörungen.
o Öffentlichkeitsarbeit, die zur Steigerung des Hörbewusstseins in der
Bevölkerung und damit zur Sensibilisierung für Schwerhörigkeit führen wird.
o Abschätzung der Probleme von hörgeschädigten Menschen im häuslichen
und beruflichen Umfeld.
• Städtische Entwicklung:
o Aufbau einer Basis um Strategien entwickeln zu können, die die
Nachteile hörbehinderter Menschen im öffentlichen, städtischen Raum vermindern sollen.
• Bedeutung für regionales Innovationssystem:
o Stärkung der Gesundheitswirtschaft im Weser-Ems-Gebiet.
o Ermittlung von Randbedingungen für die in der Audiologie tätigen
Industrie.
o Erzeugung von wirtschaftlich relevanten und notwendigen
Marktinformationen durch repräsentative und aktuelle Daten über die Marktsituation von Hörgeräteträgern, unversorgten Personen und Normalhörenden.
o Festigung des gut etablierten Bereichs der Hörforschung sowie der
Aus- und Weiterbildung in diesem Themenfeld im Weser-Ems-Gebiet.
o Impulse für die Geschäftsstrategie der Hörgeräteakustiker aus der
Region und Kenntnisse über ihren Markt.
o Betrachtung der Ursachen und Verbesserung der Analysen für den
Vergleich der Kosten für die Krankenkassen im Weser-Ems-Gebiet gegenüber anderen Regionen im Bundesgebiet auf dem Gebiet der Schwerhörigkeiten.
o Bereitstellung von Informationen für HNO-Ärzte zum Hörvermögen der
Patienten, insbesondere zum aktuellen Normalhörvermögen von Jugendlichen.
o Öffentlichkeitsarbeit für die in Oldenburg entwickelten
Sprachtestsverfahren.
o Evaluation der Telefonversion des Zahlen-Tripel-Tests durch
Vergleich der Ergebnisse mit dem Tonschwellenaudiogramm und dem Göttinger Satztest.
o Nachweis der Vorteile von Sprachtests im Störgeräusch, insbesondere
des Göttinger Satztests, gegenüber den z. Z. üblichen Testverfahren.+

